Frauenarztpraxis Davidis

Florian Davidis, Spezialarzt FMH
Aeschenvorstadt 68, 4051 Basel
Tel. 061 261 55 55

 

Blutgruppendiät nach Peter D’Adamo

 

Die Blutgruppendiät des amerikanischen Naturheilkundlers Peter J. D’Adamo, der als akademischen Titel den Grad eines N. D. (naturopathic doctorate) des Bastyr College (Seattle, WA, USA) trägt[1], geht davon aus, dass Menschen mit unterschiedlichen Blutgruppen Nahrung unterschiedlich verarbeiten. Dafür sollen bestimmte komplexe Glykoproteine in der Nahrung verantwortlich sein, die als Lektine bekannt sind und die bestimmten Blutgruppenmerkmalen (Membranproteinen der roten Blutkörperchen) ähneln. Werden die aus Sicht der Blutgruppendiät „falschen“ Lektine mit agglutinierender Wirkung aufgenommen, kann es nach dieser Theorie zur Verklumpung der Antigene im Blut kommen und zahlreiche Krankheiten seien langfristig die Folge. Eine "richtige" Ernährung könne dagegen anhand eines niedrigen Indikanwertes nachgewiesen werden. Diese Theorie ist lt. DGE wissenschaftlich nicht haltbar [2] und die Diät gilt als ungesund.

Theorie der Diät

Laut Peter D’Adamo soll die Blutgruppe 0 die älteste Blutgruppe sein. Sie entwickelte sich schon, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren. Daher seien Menschen mit Blutgruppe 0 laut der Blutgruppendiät an fleischreiche Nahrung gewöhnt, nicht aber an Getreide oder Milchprodukte, da es zu dieser Zeit weder Ackerbau noch Viehzucht gab. So sollen also Menschen mit Blutgruppe 0 auch heute täglich Fleisch essen, um gesund zu bleiben, und auf Getreide, vor allem auf Weizen sowie auf Milch verzichten.
Welche Blutgruppe die älteste „Urblutgruppe“ ist, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. In der Diskussion sind sowohl Blutgruppe A als auch Blutgruppe 0. Da Menschenaffen ebenfalls die Blutgruppen 0, A und B haben, gilt als gesichert, dass die Blutgruppen nichts mit menschlichen Wirtschaftsformen zu tun haben.[3]

Die Blutgruppe A entstand laut D’Adamo mit den ersten Bauern. Sie sollen vor allem Gemüse und Getreide essen, aber kein Fleisch und keine Milch, da die ersten Bauern angeblich keine Tiere zur Nahrungserzeugung hielten.
Die Blutgruppe B soll sich unter Viehzüchtern in Asien entwickelt haben, dem „Nomaden-Typ“, daher seien Menschen mit Blutgruppe B an Milch gewöhnt, auch bestimmte Fleisch- und Getreidesorten sollen zu ihrer natürlichen Nahrung gehören.

Die Blutgruppe AB entstand in jüngerer Zeit aus der Vermischung der Blutgruppen A und B und symbolisiert den modernen Menschen. Diese Gruppe sollte vor allem Obst und Gemüse essen.

Blutgruppen und Krankheiten.

Bestimmte Blutgruppen sind anfälliger für bestimmte Krankheitserreger als andere, da sie jeweils spezifische Antikörper und Antigene haben.[4] Für Pocken sind daher besonders Menschen mit Blutgruppe A anfällig, während Träger der Blutgruppe 0 früher besonders der Pest zum Opfer fielen und heute von den Magengeschwüre verursachenden Bakterien besonders betroffen sind. Menschen mit Blutgruppe A sind statistisch anfälliger für verschiedene Krebsarten wie Brustkrebs und Herzinfarkte.[5] [6] Andere Studien ergaben jedoch ein erhöhtes Krebsrisiko für Blutgruppe B. [7] Die Aussagen sind also uneinheitlich, die Gründe sind ungeklärt. Träger der Blutgruppe B sind statistisch häufiger von Asthma betroffen. D’Adamo bezieht sich auch auf entsprechende Studienergebnisse, um damit seine Theorien zu stützen.

Kritik

Manche der Empfehlungen und Verbote sind absolut zufällig oder beruhen auf Fehlern. So ist zum Beispiel die angebliche Milchunverträglichkeit der Blutgruppen 0 und A nur die Folge einer Namensverwechslung. Zur Blutgruppe B gehört die Alpha-N-D-Galaktose, in Milch ist hingegen Beta-N-D-Galaktose enthalten. Die Moleküle dieser Galaktosearten sind zwar ähnlich (daher der ähnliche Name), die Wirkung im Organismus ist aber völlig unterschiedlich. Selbst wenn die Lektin-Theorie richtig wäre, wäre eine negative Wirkung von Milch auf Menschen mit Blutgruppe 0 oder A also fraglich.

D’Adamo rät den Blutgruppen 0, A und AB, Milch zu meiden. In Deutschland wären das 80 Prozent der Bevölkerung. Nur in Asien ist die Blutgruppe B am stärksten vertreten. Die regionale Verteilung von Milchzuckerunverträglichkeit widerspricht jedoch seiner Theorie, denn sie ist in Asien weit häufiger als im europäischen Raum. Primäre Laktoseintoleranz ist keine Allergie, sondern eine fehlende Mutation auf dem Chromosom 2.

Es ist nicht verständlich, warum Menschen mit Blutgruppe A, die besonders häufig in Europa ist (in manchen Ländern die häufigste), die meisten Fleischsorten, Weizen und Milchprodukte nicht konsumieren sollen, die ja schon seit längerem die Basis der Ernährung darstellen. Stattdessen wird zu vermehrtem Soja-Konsum geraten, was eher zu Trägern der Blutgruppe B passen würde: diese Blutgruppe tritt am häufigsten in Asien auf, nur dort ist Soja ein typischer Bestandteil der regionalen Küche. Das Ganze widerspricht auch der Theorie der Abfolge und regionalen Entstehung der Blutgruppen, weil nach D’Adamo die Blutgruppe A in der Kaukasus-Region, B in der Himalaya-Region entstanden ist. Warum dann ausgerechnet Menschen mit Blutgruppe A vermehrt Soja konsumieren und Milch bzw. Milchprodukte (gerade Menschen in der Kaukasus-Region sind für ihren Kefir-Konsum bekannt, Kefir wird für Blutgruppe A als neutral, für B und AB als bekömmlich eingestuft), Fleisch und Weizen vermeiden sollten, entbehrt einer belastbaren Logik.
Je nach Blutgruppe ist der Eiweißanteil der Kost teilweise überhöht, was Gicht oder die Bildung von Harnsteinen zur Folge haben kann. Die Gruppe der „Jäger“ erhält zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe.

Teuer ist auch der empfohlene Sekretor-Status (ca. 55€), der zur Verfeinerung des Konzeptes dient. Des Weiteren bietet D’Adamo zahlreiche speziell für Blutgruppen designte Nahrungsergänzungsmittel, die nur über bestimmte Online-Shops bezogen werden können. Abgesehen von den relativ hohen Kosten ist auch der positive Einfluss umstritten.
Bewertung der Diät durch die Stiftung Warentest: „Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät. (…) Eine Verklumpung von Blutzellen (durch Lektine, erg.) wurde bisher in keinem einzigen Fall festgestellt. Und Belege dafür, dass Erkrankungen durch die Blutgruppendiät positiv beeinflusst werden, fehlen ebenfalls.“[8]
Aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): „In keinem Fall ist wissenschaftlich dokumentiert, dass Lectine aus Lebensmitteln im Blut zu Verklumpungen (Agglutinationen) führen. (…) D’Adamo verwendet ungesicherte, verführerisch einfach klingende Annahmen als Fakten und stellt Lectine in Nahrungsmitteln als eine generelle Gefahr dar. (…) Die meisten pflanzlichen Lectine sind unschädlich. (…) Zudem zerstört Erhitzen die Lectinaktivität in fast allen Nahrungsmitteln mit Ausnahme von gerösteten Erdnüssen (…).“[9]

Quellen

1. Lebenslauf von D'Adamo auf seiner Webseite
2. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
3. 3sat-Beitrag zu Blutgruppen
4. Relationship of Blood groups to disease: do blood group antigens have a biological role? (pdf)
5. Abstract: The role of blood group antigens in infectious diseases
6. Abstract: ABO blood groups and coronary heart disease (CHD). A study in subjects with severe and latent CHD
7. Abstract: Familial and sporadic breast cancer cases in Iceland: a comparison related to ABO blood groups and risk of bilateral breast cancer.
8. Stiftung Warentest: Diäten im Vergleich: Diäten aller Art, Pycho- und Blutgruppen-Diäten In: test.de vom 1. Mai 2005
9. „Blutgruppendiät ist wissenschaftlich nicht haltbar“, Pressemitteilung, in DGE aktuell 19/00, 13. Juni 2000

Literatur

· Peter D’Adamo/Catherine Whitney: 4 Blutgruppen, 4 Strategien für ein gesundes Leben, Verlag Piper, 23. Aufl. 2000, ISBN 3-492-04118-3
· Anita Hessmann-Kosaris: Die Blutgruppen-Diät. Das bahnbrechende Ernährungsprogramm für Vitalität, Wohlbefinden und eine schlanke Figur, Verlag Goldmann, 2000, ISBN 3-442-16283-1
Weblinks
· Website von D'Adamo
· Unabhängige Infos zur Blutgruppendiät
· „Stellungnahme der DGE: Die Blutgruppendiät von P. J. D’Adamo“, mit biochemische Hintergründen, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, in Forschung, Klinik und Praxis 06/2000
· „Blutgruppen-Diät – Essen nach dem Bluttyp“, ausführlichere Darstellung und Kritik, Dr. med. Michael Klaper, in: UGB-Forum 1/01
· Jutta Muth/Udo Pollmer: Blutgruppendiät

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Blutgruppendi%C3%A4t

Mein Kommentar:

Die Kritik, egal aus welcher Ecke erscheint hier im Text eher mit emotionalen und suggestiven Adjektiven versehe, als mit Fakten.
Es werden Behauptungen aufgestellt: ..."sind absolut zufällig oder beruhen auf Fehlern"...; ..."angeblich"...; ..."negative Wirkung"...; ..."also fraglich"...

Oder der Autor verrät uns seinen Unverstand: ..."Es ist nicht verständlich"... oder er versucht sein Verständnis von Logik als allgemeingültig darzustellen: ..."entbehrt einer belastbaren Logik"...

Besonders fadenscheinig erscheint mir der Hinweis:..."Teuer ist auch"...;..."Abgesehen von den relativ hohen Kosten ist auch der positive Einfluss umstritten". Und "positiv" wird als festes Mass für Qualität dargestellt... Wozu wird scheinds fürsorglich drohende Armut als Gespenst zitiert?

Und zum Schluss wird noch die Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Autorität herangezogen; fehlende Studien als Beweis für: "alles Mist" - ob die wirklich unabhängig sind???

Schade ist, "der Mensch" kommt hier nicht zu Wort. Seine deutlich verbesserte Lebensqualität, die er verspürt, wenn er die Hinweise D'Adamos für sich nützt wird als "auf Fehlern beruhend" abgetan. Doch so lange durch die Blutgruppendiät kein Schaden entsteht - keine Nebenwirkungen auftreten - ist und bleibt alle geäusserte Kritik an den Haaren herbeigezogen.
Diese Kritiker müssen sich fragen lassen: "cui bono?" - "Was wollt ihr bezwecken?"
Es gilt noch immer der Grundsatz: Wer heilt hat Recht!